Mein Sommer 88

Blog von Byzantinerin
Es war im August, es liegt also schon einige Wochen zurück, da entdeckte ich abends beim hin und her schalten mit der Fernbedienung eine für mich interessante Sendung. Die hatte ich allerdings schon mal gesehen, doch da ich sie schon damals wirklich sehenswert fand, blieb ich wieder hängen.
Es ging hauptsächlich um den Sommer 88, mit viel guter Musik...

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Ich schaute zu, die Musik nahm mich mal wieder gefangen,

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da kam mir der Gedanke, was das Jahr 1988 eigentlich so für mich gebracht hatte, inklusive Geschehen im Sommer …



Was mir da alles einfiel!

Seit einigen Jahren arbeitete ich bei der DR, beim Gleisbaubetrieb Berlin in einem Bauzug, was richtig Spaß machte. Der ungewöhnliche Arbeitsort war ein Highlight für sich.
Dort war ich die Sekretärin des „Alten“, dem Chef eines Prod-Bereiches mit mehreren Meistereien, einer Verwaltung und einer Küchenabteilung.
Wir Zwei verstanden uns prima. So einen tollen Chef zu haben, war wirklich nicht die Regel. Allerdings durfte man im Umgang mit den Kollegen kein Mimöschen sein, denn auf Baustellen herrschte schon ein rauer Ton.

Bis auf Küche, Kaderabteilung, Kasse, Sekretariat, dort hatten die 5 Frauen das Sagen, gab es ca. 70 männliche Arbeitskollegen.

Einfach alles spielte sich in umgebauten Bahnwaggons ab, in Hängern, wie wir es bezeichneten. So ein Bauzug heißt nicht umsonst BauZug. War das Bauvorhaben beendet, wurde der gesamte Bereich umgesetzt...
Der Stammbetrieb befand sich in Berlin, von dort aus wurde alles koordiniert.
Außer mir waren die Kolleginnen und Kollegen von auswärts aus allen möglichen Gegenden, also stets auf Montage. Die Verwaltung reiste montags an und freitags ab, die Kollegen der Meistereien hatten von Mittwoch zu Mittwoch eine 7 Tage 12 h-Schicht, jeweils im Wechsel, war ein Teil im Einsatz, war der andere zu Hause. Sie hatten ihre Unterkünfte in besagten Hängern, ebenso gab es einen Sudelwagen, (zum besseren Verständnis – einen Kneipenwagen), den Duschwagen, den Küchen- und Speisewagen, den Materialwagen, usw. ....
Rückblickend waren diese 6 Jahre meine schönste berufliche Zeit.

Das Jahr begann im Januar mit einer Reise in den russischen Winter - eine Woche Moskau/Susdal und Eiseskälte bei nachts – 49 Grad, tagsüber um – 25 Grad. Ich kann mich noch gut an die Kälte erinnern, die mir allerdings angenehmer erschien, als die z. B. - 10 Grad hier bei uns auf der Insel. Wir haben dort sogar Moroschenoje, ein leckeres sahniges Eiserlebnis, auf der Straße geschleckt und glaube nicht, das hier bei gleicher Wetterlage ebenfalls zu machen . Ich erinnere mich, wie uns eine alte Dame in einen Hauseingang schob und auf uns einredete, es wäre draußen zu kalt, um Eis zu essen.

Gebucht wurde das Ganze für 2 Erwachsene und ein 5jähriges Kind über Jugendtourist. Dem Einen und Anderen wird das vielleicht noch was sagen, denen das nix sagt, googlet mal. Tatsächlich hatte man die Möglichkeit, über dieses Reisebüro auch in entferntere Länder zu gelangen.
Wir kamen in der Nacht zu meinem Geburtstag zurück.

Was sich dann in den nächsten Wochen tat, ließ mich einen Entschluss fassen. Ich ging sogar einen Schritt weiter und begann die getroffene Entscheidung umzusetzen, so dass ich im April etwas einreichte. In Folge dessen saß man sich im Mai in einem großen ehrwürdigen Gebäude mit anderen Herrschaften gegenüber. Als es dann um die Wurst ging, zögerte ich und griff nicht zu, im Gegenteil ich zog zurück.
Schon häufig wurde hier über Liebe und bedingungslose Liebe geschrieben und auch diskutiert. Auch, dass man dadurch mitunter Blessuren unterschiedlicher Art davon tragen kann. Vielleicht hätte ein Zugreifen doch etwas verhindern können.
Aber zu dem Zeitpunkt war es für mich eben die richtige Entscheidung.

In einem vorherigen Text hatte ich schon mal über die geheimnisvollen Blumengrüße geschrieben. Im April lagen damals über mehrere Tage rote, rosé farbene oder weiße Rosen von einem unbekannten Verehrer vor unserer Tür..

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Im Juli wurde eine Hochzeit gefeiert, und im August traf man sich zu einer Beerdigung.

Irgendwie ging es mir seit Juni nicht besonders, aber zum Glück glaubte mir meine Ärztin und meinte, wenn es das wäre, was sie vermuten würde, hätte ich noch einiges vor mir. Durch die vielen nötigen Untersuchungen, um die weitere Vorgehensweise abzuklären, ging einige Zeit ins Land( und da hat sich im Grunde zu heute nicht wirklich was geändert). Und dann war es Dezember. Am 1. durften meine Eltern in den Westen zum 65. Geburtstag reisen. Ihr Schwiegersohn brachte sie mit deren Trabi zum Interzonenzug nach HRO, am Tag darauf mich damit ins KH zur OP. Auf dem Weg dorthin schmetterte Grönemeyer „Was soll das....“ (doch, Ihr könnt mir glauben, so was weiß ich noch).

Da saß ich nun zur Aufnahme auf Station, als erstes versuchte eine Lehrschwester im 2. Jahr mir Blut abzunehmen, was nach 4maligem Zustechen und einer gefühlten Ewigkeit noch immer nichts brachte und sie die Stationsschwester zu Hilfe rief. Na gut, dachte ich, ist nicht schön, aber jeder muss das lernen. Aber als mir dann erstere Schwester sagte, „Sie sind also die Galle für morgen“ wurde ich stutzig, denn mit der Galle hatte ich nie was, was ich hier auch sagte.
„Doch“, meinte sie, „Sie werden morgen an der Galle operiert.“ Ich sagte, „Nein, werde ich nicht.“ Sie, „doch das werden Sie!“. Ich „nein, werde ich nicht, ich werde an der Niere operiert.“ „Nein, „ sagte sie, „Sie werden an der Galle operiert. Das steht hier nämlich.“ „Und ich werde wohl wissen, woran ich operiert werden sollte. Gehen Sie bitte beim Doktor nachfragen!“ erwiderte ich.
Ziemlich kleinlaut kam sie zurück und meinte, als ich wissen wollte, was nun wäre, dass ich hätte Recht, und dass sie die lateinischen Begriffe verwechselt hätte....

Der Doktor, ein Meister seines Faches versprach „Mädchen ich mach dir ne schöne Bikininaht....“ Ja, das wurde sie auch, hielt aber leider nur zwei Wochen, er konnte genau so wenig wie ich wissen, dass ich die verwendeten Fäden nicht vertrug.

An das Theater, das es später gab, weil meine Mutti im KH auf Intensiv anrief, erinnere ich mich noch gut.
Die mit mir dort Liegenden erstarrten fast, als die Schwester sagte „Ihre Mutter hat eben aus der Bundesrepublik Deutschland angerufen und lässt sie herzlich grüßen!“ Mein erster Gedanke war, dass es dieses Mal heftigen Ärger geben würde. Tja, manches durfte für manche Leute einfach nicht sein, aber nach der Tour mit dem Trabi kam´s da fast nicht mehr drauf an.

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Ja, was brachte mir nun der Sommer?....
Wie ich aussah 1988? ( wer will, kann gucken)
Nachmittags nach der Arbeit gings mit dem Sohnemann rüber an die Ostsee. Luftlinie Wohnung – Wasser ca. 150 m. Sonne, Strand, Wasser , Wind und Wellen. Wir buddelten im Strandsand und tummelten uns in den Fluten. Ein besonderes Erlebnis gab es, wenn die Piloten mit ihren MiGs auf ihren Übungsflügen aus Rostock-Laage kommend ziemlich nah runter kamen, Loopings flogen, so dass man das Triebstrahlwerkfeuer gut sehen konnte. Außerdem amüsierten wir uns, wie die Urlauber, denen dieses Spektakel völlig unbekannt war, erschreckt die Köpfe nach oben rissen und unruhig wurden. Die Einheimischen hingegen befiel keinesfalls ein Gefühl der Angst.
Da die Insel im Sommer förmlich von Urlaubern überrannt wurde, und trotz stundenlangem Anstehen die Versorgungslage katastrophal war, sowie der Eintritt in Bars, Restaurants o. ä. den Anwohnern verwehrt wurde, sah man sie lieber gehen als kommen...

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Von dem Trubel in und um Berlin 1988, der durch die hochdekorierten Künstler und deren Fans herrührte, bekamen wir auf unserer Kohlrabiinsel allerdings kaum etwas mit.

Wer Lust hast..... hier gibt’s die komplette Sendung....

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Mit toller Musik, guten Texten, einer super Stimme und attraktiv auch im Alter, ist und bleibt er der Boss.

Also zum Abschluss noch dieser Titel zum Hören, Mitsingen, Mittanzen....

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Und was brachte Euch der Sommer 88??

Kommentare

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egronet 18.12.2016 um 22:14

wunderschön der Song von Bruce Springsteen

VG von Frank
 

CandyKr 18.01.2017 um 23:28

Der Blog ist zwar schon etwas älter , hat mir aber gut gefallen ...Ich bin 1988 von Amerika nach Deutschland gekommen , und ich bin froh das ich das gemacht habe .
LG Iris
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