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Weblog von Byzantinerin

Dieser Weblog wird von Byzantinerin geführt.

Wiedersehen

29.12.2016 23:59

Es war Anfang September, das Wetter war erstklassig, nichts deutete auf den nahen Herbstanfang an. Am frühen Montagabend klingelte plötzlich das Handy. Es war mein Gast, (der, der mich im Mai besucht hatte) mit einer Neuigkeit. Er wäre zwar auf einer längeren Reise, doch nun unterwegs, um nicht weit von mir entfernt, einen kurzen Stopp einzulegen. Und wenn ich Lust hätte, könnte man einige Stunden Zweisamkeit genießen, eben an das Treffen im Mai anschließen. Nur müsste ich mich dann mit meinem roten Flitzer auf den Weg machen...
Mir fiel fast das Telefon aus der Hand, so eine Überraschung.
Klar hatte ich Lust. Und knapp 100 km sind doch ein Klacks. Damit, dass wir uns nach so kurzer Zeit wieder sehen würden, hatten wir bei unserer Verabschiedung drei Monate zuvor nicht gerechnet.


Am nächsten Tag strahlte wieder die Sonne, es machte Spaß über die Straßen zu rollen, und die Vorfreude ließ so manches Lächeln über mein Gesicht huschen.


Dann endlich war ich dort. Auf dem Weg vom Parkplatz der Marina zu den Anlegestegen schaute ich weit hinaus auf die Ostsee. Es war einfach phantastisch. Es wehte ein leichter warmer auflandiger Wind, kreischend segelten Möwen über meinem Kopf hinweg.
Und ich? Enge Jeans, leichtes Blüschen, passender Hut , doch ich konnte mich sehen lassen.


Vor einigen Jahren hatte ich mal gedacht, einen anderen interessanten sehr netten Menschen an fast gleicher Stelle treffen zu können.
Auch wenn ich ihn oft fragte, wann wir uns denn nun mal sehen würden, war ich mir sicher, dass er um Ausflüchte nicht verlegen sein würde.
Wenn ich mal vom gut 1stündigen Essen, zu dem es dann nach ´ner Ewigkeit doch noch kam, absehe, hat der Kerl letztendlich gekniffen, was ich auch mit „Feigheit vor´m Feind“ betiteln kann (Das wäre übrigens auch ein gutes Thema, über das ich mal meinen Gedanken freien Lauf lassen könnte.).
Und weil sich ja so Jeder seine Gedanken macht, wie ein Zusammentreffen ablaufen könnte, habe ich vor langer Zeit dazu mal eine fiktive Geschichte ersonnen...
Zu lesen gab es die hier allerdings noch nicht. (Doch vielleicht sollte ich sie mal zum Besten geben, so als Erbauung für das neue Jahr?)


Je näher ich kam, desto aufgeregter wurde ich, meine Schritte auf dem letzten Stück Weg wurden immer schneller. Und dann sah ich weit hinten auf der Promenade Jemanden die Arme hoch nehmen und winken. Dort kam er mir entgegen.
Es war wieder ein schönes Gefühl als wir uns lachend umarmten.
Zur Kaffeezeit machten wir es uns auf der Terrasse einer der vielen Restaurants, direkt am Wasser gelegen, gemütlich.
Hmmm, die Torte war lecker, und auch der Kaffee war nicht zu verachten. Gern hätte ich noch so manch kleines Stückchen von seinem Teller stibitzt, aber da gab´s nichts zu holen, er wollte auf seine Linie achten.


Wir blieben nicht lange stumm. Sich beim Plaudern gegenüber zu sitzen, ist etwas anderes, als sich am Telefon z. B. über Erlebtes auszutauschen. Man kann sich während der Unterhaltung in die Augen sehen... Und das ist, trotz der vielen Kommunikationsmöglichkeiten, die es inzwischen gibt, nicht zu toppen.


https://www.youtube.com/watch?v=LWX7RVsOQ9M


Plötzlich klirrte und krachte es am gegenüberliegenden Tisch, die Gäste dort waren kurz vorher gegangen. Eine Mantelmöwe, die beobachtend auf der Spitze des Nebengebäudes gesessen hatte, war im Tiefflug herunter gestürzt und hatte sich auf einen Kuchenrest auf einem der Teller gestürzt.
Es hatte schon was leicht Unheimliches, als uns dieser große Vogel vom Nebentisch zu verstehen gab, dass es seine Beute wäre.
Die Wenigsten wissen vielleicht, dass es über einhundert Arten von Möwen gibt und einige von ihnen eine beträchtliche Größe erreichen. Auch wenn sie oft sehr zutraulich sind, sollte man gar nicht erst versuchen, ihnen ihre Beute streitig zu machen.


Letztendlich war dies nur eine kleine Episode am Rande eines schönen Nachmittags.
Ist man bei uns hier oben, also an der Küste, kann man jedoch immer wieder ähnliche Erlebnisse haben.


Nachdem wir die gemeinsame Kaffeezeit genossen hatten, schlenderten wir Richtung Anlegesteg. Ich wollte doch gerne mal gucken, und er war nicht abgeneigt, mir sein „Arbeitsgerät“ samt Ausrüstung zu zeigen. Schön, dass wir zwei auf den gleichen Nenner kamen und das Gleiche wollten.


Hach, es war phantastisch, so nah am Wasser, mittendrin im Geschehen. Viel zu lange her war für mich dieser Zustand mit den sanften schaukelnden Bewegungen, der Stille, dem besonderen Geruch, dabei die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren und dem Blick auf die wenigen Wolken am blauen Himmel , der uns beobachtete...


Schon bald war der Abend in Sichtweite, er wurde gefordert, sein Dienst rief. Wie heißt es doch so schön? Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Und nun nahte der Abschied.
Doch zuvor begleitete er mich noch einige Schritte Richtung Parkplatz. Es war ein wunderschöner Nachmittag. Und bald würden wir uns wiedersehen...


https://www.youtube.com/watch?v=UC81i2M30Bc


 

Helianthus67 schrieb: 05.01.2017

Hallo Byz, schön mal wieder was von dir zu lesen.
Es scheint ja eine Begegnung der besonders schönen Art gewesen zu sein. Alles passt und dann noch als Wiederholung, toll!

In Sachen Vogel hab ich in Estland eine ähnliche Beobachtung gemacht. Da war es eine Dohle, die im Außenbereich eines Cafès, eine alte Mühle, die die Reste stiebitzte.

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